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Kinderheim in Jemo:
Nach 5 Tagen und 415 Km errichten wir dann Jemo. In Jemo steht ein Kinderheim und
eine Behinderteneinrichtung die von der Gandhi Kinderhilfe e.V. aus
Bad Camberg (30 Km südlich unserer Heimat Limburg) aufgebaut
wurde und betreut wird. Der "Vater" der Initiative Dr. B.N. Roy war
gerade mit seiner Frau zu Besuch vor Ort und hatte uns bereits vor
einigen Monaten per Email eingeladen. Offen gestanden sind wir mit
sehr gemischten Gefühlen nach Jemo gefahren. Wir waren immer noch
dabei unsere Erlebnisse vom Bahnhof in New Japalguri und die
Abweisungen der Hotels und Fernfahrerraststätten zu
verarbeiten. Außerdem war uns während unseres fünfmonatigen
Indienaufenthaltes stets aufgefallen, daß es in Indien mehr als
genug zu Essen gibt, und daß auch die Wasserqualität nicht so
schlimm war (wir haben immer Leitungswasser getrunken). Ferner gibt
es in Indien so viele unglaublich reiche Menschen, die sich um
ihre Armen einen feuchten Kehricht kümmern. Verschlimmert wird die
Situation sogar noch dadurch, daß viele Lehrer und Ärzte in den
Krankenhäusern und Schulen bewußt mangelhaft arbeiten, um dann in
Privatpraxen und als Nachhilfelehrer zusätzlich Geld zu
verdienen!!! All diese Gedanken schwirrten also in unserem Kopf
umher, als wir auf das Gelände des Kinderheimes in Jemo fuhren. Wir
stiegen gerade von unseren Rädern, als wir auch schon von Herr
und Frau Roy sowie einer ganzer Schar Kinder herzlich begrüßt
wurden, und ehe wir uns versahen waren unsere Räder und unsere
Ausrüstung in einem Büroraum verstaut. Wir wurden in einem sehr
schönen Gästezimmer (auch der Rest der Anlage war wunderschön
gepflegt) untergebracht und konnten uns erst einmal den Staub
der Straße abwaschen, bevor wir mit einem vorzüglichen
Mittagessen verwöhnt wurden. Auch in den folgenden Tagen wurden wir
wirklich rührend umsorgt. Wir können getrost sagen daß wir uns sehr
wohl gefühlt haben.
Kinderheim und Projekte:
Unsere Skepsis gegenüber Hilfsprojekten in Indien haben wir ja oben
schon geäußert, und so waren wir umso glücklicher als wir
feststellten, hier an einem Ort gelandet zu sein, der alle
negativen Berichte über Entwicklungshilfeberichte (Veruntreuung
und falscher Einsatz von Spendengeldern) Lügen strafte. Die Kinder
wurden rundherrum sehr gut und liebevoll betreut, so daß man
regelrecht spüren konnte das Sie sich wohlfühlten . Neben dem
Kinderheim wurde von der Gandhi Kinderhilfe e.V. auch noch eine
Schule (incl. "Nachhilfelehrer") für Kinder aus armen
Familienverhältnissen unterhalten. Besonders begabte Schüler
wurden sogar eine weiterführende Schulausbildung ermöglicht.
Ermöglicht wird dies unter anderem mit Patenschaften die man für
gerade mal 6,-/Monat und Kind übernehmen kann! Das Biyoendu
Memorial Institut ist jedoch keine in sich geschlossenen
Einrichtung. Die angegliederte Krankenstation steht allen offen.
Ferner wird eine kleine Schule unterhalten, in der Frauen zu
Näherinnen ausgebildet werden. Auch um die bedürftigen Familien
der Gegend kümmert man sich durch den Bau von Brunnenanlagen
oder durch die Vorfinanzierung von Fahrradrikschas und Nähmaschinen,
so daß sich verarmte Familien ihren Lebensunterhalt selbst
verdienen können. Besonders gut hat uns gefallen daß die
Fahrradrikschas und Nähmaschinen prinzipiell nur vorfinanziert
werden. So haben die Familien die Möglichkeit Geld zu verdienen ohne
dabei ihr Selbstwertgefühl zu verlieren. Zu verdanken ist diese
wirklich sinnvolle und rundum gelungene Einrichtung dem
unermüdlichen Einsatz der Familie Roy aus Bad Camberg. Herr Roy
stammt eigentlich aus Jemo und ist vor über 40 Jahren nach
Deutschland ausgewandert um sein "Glück" zu versuchen, und versucht
nun seiner alten Heimat etwas zu helfen. Wir waren stets
beeindruckt, von der unkomplizierten und herzlichen Art mit der die
Roys sich um all die kleinen und großen Sorgen in und um das
Kinderheim gekümmert haben. Übrigens ist jeder stets herzlich
willkommen um sich das Projekt mit eigenen Augen anzusehen.
Spenden:
Aus unserem großen Spendenaufruf sind großartige 400,- zusammengekommen (jedoch nur 5 Spenden
insgesamt). Wir selbst waren von dem gesamten Projekt sehr
überzeugt (hier wird mit Herz und Hirn gearbeitet!) und so haben wir
uns als Radreisende daher entschieden, das Geld dementsprechend
zu verwenden. So wird von dem Geld eine Fahrradrikscha (150,-) und
ein Pumpbrunnen (250,-) angeschafft werden. Die Fahrradrikscha
wir dann unter Familien ohne eigenes Einkommen verlost werden,
wodurch diese Familie in der Zukunft in der Lage sein wird für
ihr eigenes Auskommen zu sorgen (die Familie muß zwar in Raten nach
eigenem Ermessen den halben Kaufpreis der Rikscha abbezahlen, doch
mit der Möglichkeit nun Geld zu verdienen ist das kein Problem und
so können sie auch ihr Selbstwertgefühl bewahren). Für den Brunnen
haben wir uns entschieden, da uns auf unserer Reise tagtäglich
bewußt wird, wie wichtig frisches Trinkwasser ist. Oft haben wir
Frauen und Kinder gesehen, die Wasserkanister kilometerweit
von nächstgelegenen Brunnen nach Hause schleppen mußten, und so
können wir zumindest ein Paar Familien zu frischem Wasser verhelfen.
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